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Landesverband Th├╝ringen e.V.

Nicht alles um den BER scheitert: Wildpferdprojekt erfolgreich gestartet

Datum: Sonntag, 7. Juni 2015

Wildpferde BER
Klappt es nicht mit dem Flughafen, so klappt es dann doch mit anderen dem BER zuzuordnenden Projekten. Wenn auch dort nicht im Zeitplan, aber daran gew├Âhnt man sich schlie├člich. So erfassen Passierende die Weiterentwicklung eines Landschaftsparks, der irgendwann als sog. Ausgleichsfl├Ąche ausgewiesen war. Seit Monaten finden sich Landschaftsg├Ąrtner ein, um wenn auch un├╝bersichtliche Dinge zu erledigen. Nun aber scheint es dem Ende zuzugehen, ungew├Âhnliche Neubewohner zogen vor einigen Tagen ein.

Sie sehen mit ihrer ungeordneten M├Ąhne wie freche Jungs aus. Ihre augenscheinliche Gem├╝tlichkeit kann tr├╝gerisch sein. Die R├╝ckz├╝chtung hat auch der Urspr├╝nglichkeit im Wesen der Tiere keinen Abbruch getan. Sie sind sehr aufmerksam, geht es um das Umfeld. Liebenthaler Pferde sind aufmerksamer als viele ihrer Artgenossen. Der Umgang mit ihnen ist recht unproblematisch, erwartet man keine Wunder. Die nie an Zaumzeug gew├Âhnten Tiere machten es den Auftragnehmern nicht unbedingt leicht, einen Umzug ins neue Domizil zu realisieren. "Sie verb├╝nden sich schnell" hei├čt es aus dem Mund des erfahrenen Bauers Julius Wrede aus Rotberg. Gemeint sei damit, dass das Weigern auch nur eines Tieres auf die ganze Herde ├╝berspringt. Da m├╝sse man schon einen langen Atem besitzen, um sich durchzusetzen.

Die umgeweidete Herde, bestehend aus zehn Tieren, es sind Pferden, die nun nicht zum Reiten vorgesehen sind. Sie sollen das Urspr├╝ngliche dieser Tiergattung darstellen. Das war der Wunsch des Auftraggebers. Eine schwierige Sache, die sich dann der Landmaschinenring Brandenburg/Berlin e. V. stellte. Erfolgreich, wie man nun sehen kann. Zutraulich sind sie weniger. Doch ihr Argwohn dem Fremden gegen├╝ber wird von einer Neugier eingeholt. F├╝r Pferde, die als ausgesprochene Fluchttiere gelten, eine seltene Kombination. Gerade dann nicht, haben sie ihre Urspr├╝nglichkeit beibehalten.

Die ausgestreckte Hand in Mitten der weidenden Tiere zeigt das bestehende Vertrauen zwischen den Wildpferden und Elisabeth Wrede. Sie schaut t├Ąglich nach den Tieren, die den Umzug pr├Ąchtig ├╝berstanden haben. Die Tiere reagieren auf ihren Ruf, obwohl sie nicht mit Pferdebonbons lockt. "Wir achten auf die Stellung der Ohren" hei├čt es. Mit 16 Muskel ausgestattet haben die Akustiktrichter auch eine Signalfunktion, gewollt oder auch nicht. Legen sie die Ohren an, sei Vorsicht geboten, meinen die Wredes. Derzeit versucht eines der Zweij├Ąhrigen, mit ge├╝btem Spiel der Lippen am Maul austesten, ob man auch essbar sei. Die vorsichtig ausgestreckte Hand wird dabei mit Argwohn beobachtet. So erkennt man die unterschiedlichen Charakteren der Tiere. Es gibt auch "Schmuser" unter ihnen.

Weidende Tiere heben ihren Kopf, um mich herum wenden sich alle Tiere einer Blickrichtung zu. Eines der wenigen Passanten ist stehen geblieben, beobachtet mit dem Nachwuchs das Treiben auf der Weide. Sie w├╝rden Angst vor Hunden haben. Das sei nicht ungew├Âhnlich f├╝r Pferde. Doch, so warnen die Wredes, h├Ątten diese Rasse eine Eigenschaft, die schon aus au├čergew├Âhnlich zu werden sei. Tiere, die die Gruppe angreifen, k├Ânnen durchaus zu Tote getreten werden. Zwischen Flucht und Angriff w├╝rden die Liebenthaler kaum differenzieren.

Der Zaun ist doppelt gesichert. Damit wolle man unter anderem auch die unbedarften Hunde von der Weide fern halten. Nat├╝rlich entsprechen die Landschaftsgestalter damit auch einer anderen Unsitte, dem nicht ├╝berwachtem F├╝ttern durch Fremde. Zwar seien die Tiere argw├Âhnisch, aber man k├Ânne gar nicht so weit denken, meinen die Experten.

Liebenthaler Pferde, mit einer geh├Ârigen Portion Esel im Blut. Eine Augenweide nicht nur f├╝r Pferdeliebhaber. Tut sich auch nichts auf dem Gel├Ąnde des Auftraggebers, so darf man dieses Projekt als gelungen bezeichnen. Sicherlich auch dank der guten Vorbereitung durch die ausf├╝hrenden Betreuer. Ob sie sich aber jemals mit den Ger├Ąuschen startender und landender Maschinen auf dem BER auseinanderzusetzen haben, bleibt fraglich. Letztlich ist es den Tieren egal. Sie haben etwas Auslauf, werden versorgt. Sie haben ihre Unterst├Ąnde, flie├čendes frisches Wasser. Was will man als Pferd mehr, wenn selbst das Reiten tabu ist?

Foto: aireye ┬Ě Text: Peter Jagst (pj)